Wer war dieser Mann, dessen Namen zwar jeder schon einmal gehört hat und dessen Grundlagen der Mathematik wir als Kinder in der Schule lernen?
Mit Prof. Dr. Joachim Block, dem ehemaligen Standortleiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig, Göttingen und Trauen bei Faßberg im Landkreis Celle, kam ein profunder Kenner der Vita von Carl Friedrich Gauß auf Einladung der Bibliotheksgesellschaft in die Direktorenvilla, um im Rahmen seines Vortrags auf eine beeindruckende Reise durch dessen Leben und Wirken zu gehen, Förderer und Weggefährten vorzustellen und auch den historischen Zusammenhang einzuordnen.
Heutzutage wäre Gauß Niedersachse durch und durch. Geboren in Braunschweig lebte er bis zu seinem Tod in Göttingen. Damals war die politische Landkarte allerdings eine andere.
Braunschweig war ein eigenständiges Herzogtum mit einem für die damalige Zeit sehr fortschrittlichen Herzog Carl Wilhelm Ferdinand, der den Bildungsstand seiner Bevölkerung heben wollte und Wissenschaft und Wirtschaft förderte. Quasi eingebettet lag das Herzogtum im Königreich Hannover, zu dem auch Göttingen gehörte. Es war die Zeit der Personalunion und Georg IV. König von Hannover.
Begeben wir uns auf Spurensuche und entdecken Zeugnisse des Werdeganges von Gauß: Bereits in jungen Jahren verblüfft Carl Friedrich seine Lehrer mit findigen Lösungsansätzen mathematischer Aufgaben. Glücklicherweise trifft er auf wohlgesonnene Förderer, die dem Kind einfacher Leute eine exzellente Ausbildung und damit eine steile schulische und universitäre Karriere ermöglichen.
Bereits ganz am Anfang seiner akademischen Laufbahn macht Gauß eine epochale Entdeckung - heute eine Standardmethode der Mathematik und Physik. Durch die Lösung eines astronomischen Problems wird er schlagartig berühmt und erhält sogar eine Einladung an den Hof des Zaren nach St. Petersburg, dessen Sternwarte zu leiten. Gauß Mäzen, der Herzog von
Braunschweig, initiiert daraufhin den Bau einer eigenen Sternwarte. Dessen lapidare Antwort: „Dann vermesse ich meine Heimatstadt Braunschweig, während ich auf meine Sternwarte warte.“, ist nur eine der vielen Anekdoten, mit denen Block seinen Vortrag auflockerte und die zahlreich erschienene Zuhörerschaft zum Schmunzeln brachte.
Und so überbrückte Gauß die Wartezeit mit Geodäsie, während rundherum die Welt in Aufruhr geriet, denn zeitgleich lagen viele Kleinstaaten im Zwist mit Napoleon. Erste Feldversuche münden bald in der hannoverschen Landvermessung, die Gauß, bereits in Göttingen beheimatet, mit der Festlegung einer Basisstrecke in der Nähe der historischen Sternwarte beginnt.
Als spektakulärste Dreiecksvermessung gilt die Triangulation zwischen dem Hohen Hagen, einem Berg bei Göttingen, dem Brocken und dem Großen Inselsberg im Thüringer Wald. Dieses Dreieck war Basis zur Verknüpfung zahlreicher regionaler Vermessungsdaten, die Gauß auch in den Landkreis Celle führten. Während er auf dem heutzutage denkmalgeschützten Hof Oberohe logierte, hinterließ er Gauß-Steine an den Messpunkten als Zeugen seiner Anwesenheit unter anderem bei Gerdehaus, Scharnhorst und Becklingen.
Immer wieder verblüffend für die Zuhörer: je nach Betätigungsfeld gelingen Gauß wie nebenbei bahnbrechende mathematische Lösungsansätze und innovative Erfindungen für die praktische Umsetzung in vielen Bereichen, wie die Erfindung des Heliotrops für die Landvermessung oder ein elektromagnetischer Telegraph - ein Universalgelehrter im echten Wortsinn!
Zu Recht gilt Gauß als größter Mathematiker und Wissenschaftler seiner Zeit, da er viele Talente in einer Person vereinte und - immer wissbegierig - auf vielen Gebieten arbeitete. Er starb 1855 in Göttingen und hinterließ ein weltumspannendes Werk. Seine Heimat hat er dabei kaum je verlassen, aber mit Feder und Papier die Welt verändert.
Das Ende eines mehr als informativen Abends steht im Zeichen des Ausblicks auf das Jubiläumsjahr 2027. Prof. Joachim Block organisiert – auch in seiner Funktion als ehrenamtlicher Vorsitzender des Braunschweigischen Hochschulbundes - die Feierlichkeiten rund um den besonderen Gauß-Geburtstag in Braunschweig und Göttingen mit. Er verrät: Als besonderer Höhepunkt gelte schon heute die Nachstellung der Dreiecksvermessung zwischen Brocken, Hoher Hagen und dem Großen Inselsberg mit den Mitteln der damaligen Zeit – ohne Internet oder Handy.
[Text: Sabine Richter, Fotos: Sabine Richter, Johannes v. Freymann]
„Schön, dass Sie wieder da sind!“ und „Wir haben Sie vermisst!“ lauteten häufig gehörte Kommentare der Besucherinnen und Besucher, die – natürlich – mit Kind und Kegel „ihre“ Bibliothek entdecken wollten. Die Rundgänge zur Erkundung der Räumlichkeiten fielen durchweg positiv aus. Das Angebot an Zeitungen, Zeitschriften, Romanen und endlich auch wieder eine Kinderbibliothek wurde begeistert angenommen.
Auch eine Abordnung der Bibliotheksgesellschaft Celle ließ es sich nicht nehmen, dabei zu sein. Silke Wachsmuth-Uhrner, Vorsitzende der Bibliotheksgesellschaft, überreichte Petra Moderow, Leiterin der Stadtbibliothek Celle, einen Blumengruß zur offiziellen Wiedereröffnung.
Für die Kinder gab es zur Eröffnung Glücksraddrehen mit vielen attraktiven Preisen und bunte Luftballons. Dabei wurde das Team der Bibliothek durch die Bibliotheksgesellschaft Celle unterstützt. Preise für das Glücksrad wurden unter anderem von der Buchhandlung Sternkopf und Hübel sowie Thalia gespendet.
Ab sofort ist die Familienbibliothek dienstags von 11.00 bis 18.00 Uhr, mittwochs bis freitags von 11.00 bis 17.00 Uhr und samstags von 10.00 bis 14.00 Uhr geöffnet.
Kommen Sie vorbei, es lohnt sich!
[Text: Sabine Richter, Fotos: Privat]
Die Bibliotheksgesellschaft konnte in diesem Jahr die Direktorenvilla in der Magnusstraße, und hier vor allem den großen Außenbereich, als Interims-Standort nutzen.
Wer das Areal am Französischen Garten kennt, den wundert es nicht, dass es beinahe familiär zuging, beim diesjährigen Bücherflohmarkt. Bekannte treffen, mit Gleichgesinnten plaudern, im Bücherangebot stöbern und fündig werden. So oder so ähnlich kann der Tag an der Direktorenvilla zusammengefasst werden.
Dank vieler helfender Hände und ansprechender Präsentation auf den von der Brauerei Betz zur Verfügung gestellten Bierzeltgarnituren war unisono allseits großes Lob zu hören.
Der Kauflaune der Menschen war der naturnahe Veranstaltungsort wohl zuträglich, denn die Organisatoren haben einen sehr zufriedenstellenden Erlös für außerplanmäßige Anschaffungen der öffentlichen Büchereien erzielen können.
[Text und Fotos: Sabine Richter]